Schwangerschaft Woche für Woche
Schon im ersten Monat der Schwangerschaft, wenn viele Frauen noch gar nicht sicher wissen, dass sie schwanger sind, passiert im Körper bereits sehr viel, sowohl bei der Mutter als auch beim Baby.
Damit die einzelnen Entwicklungsschritte besser einzuordnen sind, wird die Schwangerschaft in drei Trimester eingeteilt. Es ist spannend zu wissen, was wann im Körper von Mutter und Kind geschieht. Deshalb schauen wir uns Woche für Woche an, wie sich Ihr Baby entwickelt und welche wichtigen Veränderungen typischerweise stattfinden.
Bitte behalten Sie dabei im Kopf: Keine Schwangerschaft ist wie die andere. Es kann also sein, dass Sie sich in manchen Punkten nicht vollständig wiederfinden. Wir haben die häufigsten und wichtigsten Merkmale für Sie zusammengefasst.
Erstes Trimester
Diese erste Phase umfasst die ersten drei Monate und reicht bis zur 13. Schwangerschaftswoche.

Die ersten 4 Wochen sind noch „unsichtbar“, aber entscheidend
Die reife Eizelle wird etwa am 14. Zyklustag aus dem Eierstock in den Eileiter abgegeben, damit es zur Befruchtung kommen kann. Die Schwangerschaft wird jedoch ab dem ersten Tag der letzten Periode gerechnet. Das bedeutet, dass man zum Zeitpunkt des Eisprungs in der Berechnung bereits etwa zwei Wochen „mitzählt“.
Bei der Befruchtung entsteht die Zygote, zunächst eine einzige Zelle. Sie teilt sich rasch, erreicht das Stadium der 16-zelligen Morula und entwickelt sich bis zum 4. bis 6. Tag weiter zur Blastozyste. Auch wenn der Ultraschall zu diesem Zeitpunkt noch nichts zeigen kann, beginnt die Differenzierung der Zellen bereits, sie übernehmen nach und nach unterschiedliche Aufgaben.
Etwa am 7. Tag beginnt die Einnistung in die vorbereitete Gebärmutterschleimhaut. Dabei entstehen weitere Strukturen, unter anderem der Embryoblast, und es bildet sich eine Höhle, die Amnionhöhle. Diese Phase ist besonders wichtig, weil hier die Grundlagen für die späteren Organe gelegt werden.
Viele Frauen spüren die hormonellen Veränderungen anfangs kaum, zum Beispiel die Veränderungen rund um Progesteron oder die Umbauten der Gebärmutterschleimhaut. Manchmal gibt es jedoch auch frühe Anzeichen, die mit der Einnistung und dem Beginn der Schwangerschaft zusammenhängen. Mehr dazu finden Sie in unserem Überblick über Anzeichen der Schwangerschaft.
Der 2. Monat, vom Fruchtsack bis zu ersten Bewegungen der Finger
Für viele Frauen bleibt die 5. Woche besonders im Gedächtnis, weil die Schwangerschaft häufig in dieser Zeit ärztlich bestätigt wird. Im Ultraschall ist zunächst meist der Fruchtsack zu sehen. Die Untersuchung ist auch wichtig, um zu beurteilen, ob die Einnistung gut verlaufen ist. Deshalb ist es sinnvoll, den Termin nicht lange hinauszuschieben. Bei erhöhtem Risiko für eine Eileiterschwangerschaft kann eine frühere Abklärung ebenfalls sinnvoll sein.
In dieser Zeit beginnt die Entwicklung des Nervensystems. Die Herzanlage und das Gefäßsystem entstehen, das Herz schlägt erstmals, und in der 6. Woche kann das oft bereits gesehen oder gehört werden. Die wichtigsten Organanlagen sind angelegt, auch wenn sie sich noch stark weiterentwickeln. Zusätzlich erscheinen die ersten Ansätze der Gliedmaßen.
Im Körper der Mutter steigt das Blutvolumen, und auch die Herzfrequenz kann zunehmen. Häufig treten in dieser Phase typische Schwangerschaftsbeschwerden zum ersten Mal auf, zum Beispiel Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchziehen, Schmierblutungen, verändertes Geruchs- und Geschmacksempfinden, Reizbarkeit, empfindliche oder geschwollene Brüste, häufiger Harndrang und Verstopfung. Viele sind sehr müde und erleben intensivere Träume.
In der 7. Woche zeichnen sich bei einem etwa 7 mm großen Embryo Augen, Ohren und Nasenöffnungen ab. Es sind bereits rechte und linke Herzkammern vorhanden, und die Nieren beginnen sich zu entwickeln.
In der 8. Woche entwickeln sich die Gliedmaßen weiter, auch die Nieren reifen. Das Gesicht nimmt Form an. Strukturen werden menschlicher, erste Details werden erkennbarer. Blase und Wirbelsäule sind sichtbar, und auch die seitlichen Hirnkammern entstehen. Bei vielen Frauen wird in dieser Zeit erstmals eine Veränderung an Brust und Taille bemerkbar, und die Schwangerschaft wird emotional oft bewusster.
In der 9. Woche formt sich das Gesicht weiter. Die Finger- und Zehenstrahlen trennen sich, und man kann spontane Bewegungen von Händen und Füßen sehen. Der Embryo ist noch sehr klein, kann aber bereits die Finger zur Faust schließen und daran saugen. Äußere Geschlechtsmerkmale beginnen sich zu entwickeln, das Geschlecht ist jedoch meist noch nicht eindeutig erkennbar.
Im 3. Monat entwickelt sich der Embryo besonders schnell
Um die 10. Woche ist das Baby etwa 27 bis 35 mm groß und wiegt ungefähr 4 Gramm. Die Augenlider sind in dieser Zeit miteinander verbunden und bleiben es oft bis etwa zur 25. bis 27. Woche. Auffällig ist in dieser Woche auch, dass der „Schwanzansatz“ verschwindet. Finger und Zehen sind nun frei erkennbar, und die Anlagen der 20 Milchzähne sind sichtbar.
In der 11. Woche lassen sich erste Schluck- und Darmbewegungen beobachten. Es entstehen Nägel, die Iris im Auge und die Fingerabdrücke an den Fingerkuppen.
Die 12. Woche gilt für viele als Meilenstein. Ab jetzt spricht man häufig vom Fötus. Es sind bereits erstaunliche Verhaltensweisen zu beobachten: Grimassen, Saugen am Daumen, Schlucken von Fruchtwasser. Auch erste Reflexe sind vorhanden.
In dieser Zeit finden wichtige Untersuchungen statt, zum Beispiel Ultraschall, Nackentransparenzmessung, die Beurteilung des Nasenbeins, Blutuntersuchungen und kombinierte Tests zur Erkennung bestimmter Chromosomenauffälligkeiten.
Bei vielen Frauen beginnt die Gewichtszunahme um die 12. Woche herum deutlicher. Der Appetit kann steigen. Statt dem Gedanken „für zwei essen“ wird eher eine bewusste Ernährung empfohlen, mit weniger stark verarbeiteten Kohlenhydraten wie Weißmehl und Zucker. Als Kohlenhydratquellen bieten sich eher Obst, Gemüse, Nüsse, Samen und vollwertigere Getreideprodukte an.
Zweites Trimester
Für viele ist das die angenehmste Phase. Oft kehrt Energie zurück, und die Vorfreude wird leichter geteilt. Natürlich kann es auch in dieser Zeit Beschwerden geben. Sprechen Sie diese bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme an, auch wenn es häufig keinen Grund zur Sorge gibt.
Die meisten Schwangeren spüren im zweiten Trimester zum ersten Mal die Bewegungen des Babys.
Oft wirkt die Haut in dieser Zeit schöner, der Bauch beginnt sich sichtbar zu runden. Zur Vorbeugung von Dehnungsstreifen nutzen manche Frauen natürliche Öle zur Pflege.

Ab dem 4. Monat beginnen oft ruhigere Tage
Zu Beginn des zweiten Trimesters verschwinden bei vielen die Übelkeit und andere Beschwerden, bei manchen bleiben sie jedoch bis zur 20. Woche oder länger.
In der 13. Woche ist der Fötus etwa 10 cm groß und wiegt ungefähr 30 Gramm. Augenbrauen und feine Haare entstehen. Die Rippenlinien zeichnen sich ab. Es entwickeln sich weitere Hirnkammern, die Leber beginnt Gallensäuren zu bilden und die Speicherung von Glykogen startet. In der Vorsorge werden verschiedene Maße verfolgt, zum Beispiel BPD, HC, AC und FL.
In der 14. Woche entwickelt sich das Ohr weiter. Etwa eine Woche später kann das Baby häufig Geräusche aus dem Körper der Mutter wahrnehmen, zum Beispiel Darmgeräusche und den Herzschlag. Auch Geschmacksreize aus der Nahrung der Mutter werden wahrgenommen. Augenbewegungen beginnen, auch wenn die Augen noch geschlossen sind.
Die AFP-Blutuntersuchung wird oft in der 16. bis 17. Woche durchgeführt. Sie kann Hinweise auf bestimmte Auffälligkeiten geben, zum Beispiel im Bereich des Neuralrohrs oder der Bauchwand.
Ab der 18. Woche werden Bewegungen häufig deutlicher spürbar. Das Baby ist etwa 20 cm groß und wiegt fast 200 Gramm. In den Darm gelangt das Kindspech, und in der Lunge beginnen sich Lungenbläschen zu entwickeln. Die Haut ist mit feinen Härchen bedeckt, dem Lanugo.
In der 19. Woche beginnt sich die Käseschmiere zu bilden, die die Haut schützt. Bei Mädchen reifen die Anlagen der Eizellen, die Gebärmutter entwickelt sich, und auch die Anlagen der bleibenden Zähne entstehen hinter den Milchzahnanlagen. Danach folgt meist der zweite große Ultraschall.
Im 5. Monat, die Mitte der Schwangerschaft
In der 20. Woche entwickeln sich Lunge und Immunsystem weiter, und die Bildung von Insulin und weißen Blutkörperchen beginnt.
In der 21. Woche nimmt das Baby vor allem zu, die Organe reifen weiter.
In der 22. Woche sind bei Mädchen Gebärmutter, Eierstöcke und Scheide angelegt, bei Jungen beginnen die Hoden Richtung Hodensack zu wandern. Viele Schwangere beobachten nun ein klareres Schlaf-Wach-Muster. Gegen Ende des zweiten Trimesters liegt das Baby häufig bereits mit dem Kopf nach unten.
Die regelmäßigen Bewegungen machen es möglich, Ihr Baby bewusst wahrzunehmen, das ist für viele ein großer Moment.
Im 6. Monat zeigen sich erste „Verhärtungen“
In der 23. Woche wiegt das Baby etwa 500 g und ist ca. 29 cm lang. Es bewegt sich viel und reagiert empfindlich auf Berührungen. Manche Babys haben Schluckauf, dann spürt man rhythmische „Hüpfer“. Auch ein schmerzloses Hartwerden des Bauches kann auftreten. Diese Verhärtungen sind meist harmlos und hängen mit Wachstum und Durchblutung der Gebärmutter zusammen.
In der 24. Woche ist das Baby bereits so weit entwickelt, dass die Überlebenschancen bei einer Geburt deutlich besser wären. Viele Schwangere machen in dieser Zeit den Zuckertest, um Schwangerschaftsdiabetes zu erkennen.
Ab der 25. Woche wächst der Fötus oft etwa 1 cm pro Woche, bewegt sich lebhaft und die Knochen werden fester.
In der 26. Woche ist häufig die typische „Embryonalhaltung“ erkennbar.
Manche Schwangere bekommen Wadenkrämpfe, und auch Schlaf kann schwerer fallen. Eine ausreichende Magnesiumzufuhr kann unterstützen. Sprechen Sie aber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, weil nicht jede Form gleich gut aufgenommen wird.
In der 27. Woche wiegt das Baby etwa 1 kg. Leber, Lunge und Immunsystem sind funktionsfähig. In dieser Woche öffnen sich die Augen, und das Baby kann blinzeln. Es kann auch Schmerzreize wahrnehmen.
Drittes Trimester
Ab der 28. Woche beginnt die letzte Phase. Sie kann körperlich anstrengender sein, gleichzeitig wird sie emotional oft besonders intensiv.

Ab dem 7. Monat ist der Fötus bei Geburt lebensfähig
Lunge und Gehirn sind so weit gereift, dass bei einer Frühgeburt mit medizinischer Unterstützung gute Chancen bestehen, dass das Baby außerhalb des Bauches weiterreifen kann. Das Baby öffnet und schließt die Augen je nach Schlaf und Wachsein, es wendet sich dem Licht zu. Häufig liegt es bereits mit dem Kopf nach unten. Der Platz wird kleiner, Bewegungen werden schwieriger, dafür werden die Tritte oft kräftiger. Unter der Haut lagert sich Fett ein, um für das Leben nach der Geburt vorbereitet zu sein.
In der 31. Woche wiegt das Baby etwa 1,5 kg. Es schläft viel, deshalb ist die Bewegung manchmal schwerer zu beobachten, trotzdem lohnt es sich, aufmerksam zu bleiben.
Im 8. Monat ist die Lunge vollständig entwickelt
In der 32. Woche ist die Lunge ausgereift, eine wichtige Aufgabe bleibt nun: Gewicht zulegen.
In der 34. Woche dreht sich das Baby häufig in die Schädellage.
Mit 35 Wochen nimmt das Gewicht schnell zu und liegt oft um 2,4 kg.
9. Monat, ab der 36. Woche bis zur Geburt
Das Baby beginnt, sich ins Becken einzupassen. Der Körper ist gut gepolstert, die Haut glatt und weich.
In der 37. Woche liegt das Gewicht oft um 3 kg. Das Baby übt Atembewegungen, schluckt dabei Fruchtwasser und hat deshalb häufig Schluckauf.
In der 39. Woche sind die Organe vollständig entwickelt. Die Länge liegt um 49 cm, das Gewicht bei etwa 3,2 kg.
In der 40. Woche ist das Baby bereit für die Geburt.
Im dritten Trimester wird Bewegung oft schwerer. Neue Beschwerden können auftreten, zum Beispiel Verdauungsprobleme, Rücken- und Gelenkschmerzen, Kurzatmigkeit oder Krämpfe. Das zusätzliche Gewicht belastet Rücken und Atmung, und Ruhe tut häufig besonders gut. Innerlich sind viele werdende Eltern jetzt stark mit der Geburt beschäftigt und bereiten alles für das neue Familienmitglied vor.
Wenn Ihnen noch Kleidung fehlt, geraten Sie nicht in Panik. Dafür gibt es vorbereitete Sets, damit Sie nicht jedes Teil einzeln zusammensuchen müssen, wenn Sie nach weichen, natürlichen Materialien suchen.
Eine bewusste Vorbereitung auf die Schwangerschaft und ein gesunder Lebensstil helfen, die Veränderungen besser zu tragen. Auch die Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig, oft schon ab der Planung. Es gibt heute hochwertige Präparate. Wissen über Schwangerschaft und Geburt, Bücher, Videos oder Schwangerschaftsgymnastik können helfen, Ängste zu lösen. Und manchmal tut es auch gut, nicht ständig online zu lesen, sondern zu entspannen, einen Roman zu genießen und Kraft zu sammeln.
Wo auch immer Sie gerade stehen, wir freuen uns, wenn Sie Ihre Erfahrungen und Gefühle mit uns teilen.
Verfasst von Katalin Gyenes
Quellen:
familienplanung.de - Schwangerschaftswochen
gesund.bund.de - Schwangerschaft und Geburt