Wie wirkt sich die Bauchlage auf die motorische Entwicklung des Babys aus?
Die Bauchlage ist ein wichtiger Entwicklungsschritt im Leben eines Babys, dessen Bedeutung oft unterschätzt wird. Aus dieser Position entwickeln sich wichtige Stützformen – Unterarmstütz, Handstütz – sowie Bewegungen wie Robben und Krabbeln, und sie bereitet das Baby auf das Drehen vor.
In der Bauchlage, wenn das Baby wach ist, werden insbesondere die Schultergürtel-, oberen Rücken- und Nackenmuskeln aktiviert.
Mit zunehmender Kräftigung kann das Baby aus dieser Position immer mehr erreichen und den Kopf zunehmend höher anheben. Anfangs mögen viele Babys die Bauchlage nicht und wehren sich dagegen, doch mit der zunehmenden Muskelkraft wird die Bewegung in dieser Position vielfältiger. Die Kopfkontrolle entwickelt sich, und das Risiko verschiedener Schädeldeformationen nimmt ab. Dieser Entwicklungsprozess erfolgt schrittweise, über Wochen hinweg.
Es ist wichtig, dass das Baby ab der Neugeborenenzeit täglich Zeit in der Bauchlage verbringt, wenn es wach ist. Achte darauf, es nicht direkt nach dem Füttern auf den Bauch zu legen. Wenn die Bauchlage im Alltag leicht vergessen wird, hilft es, sie fest mit einer täglichen Routine zu verbinden – zum Beispiel vor oder nach dem Wickeln.
Nicht nur die Motorik, auch die Sinne entwickeln sich

In der Bauchlage nimmt das Baby seine Umgebung aus einem anderen Blickwinkel wahr. Durch das Bewegen des Kopfes lernt es, Gegenstände zu verfolgen. Geräusche werden aus einer neuen Richtung gehört, wodurch das Baby lernt, ihre Herkunft zu erkennen. Hände, Arme und Brust haben Kontakt mit dem Untergrund, das fördert die taktile Wahrnehmung.
Wenn unterschiedliche Unterlagen wie Spielmatten oder Decken verwendet werden, erhält das Baby vielfältige sensorische Reize.
Wie entwickelt sich die Kopfhaltung in der Bauchlage?
Die Entwicklung der Kopfhaltung ist von zentraler Bedeutung, denn nur mit stabiler Kopfkontrolle kann sich das Kind sicher bewegen. Das Baby muss den Kopf in alle Richtungen halten können, ohne dass er wegkippt, und die Umgebung betrachten können, ohne sich bewusst auf die Kopfhaltung konzentrieren zu müssen. Wenn diese Fähigkeit automatisiert ist, spricht man von Kopfkontrolle.
Das Nervensystem des Babys ist von Geburt an darauf vorbereitet, den Kopf anzuheben – zunächst nur kurz und minimal, gerade so viel, dass es den Kopf von einer Seite zur anderen drehen kann. Mit der Zeit hebt es den Kopf immer höher, erreicht fast einen 90-Grad-Winkel und stützt sich dabei auf die Unterarme.
Mit etwa 4–5 Monaten kann das Baby den Kopf sicher halten und gleichzeitig eine Hand anheben, um nach einem Gegenstand zu greifen.
Warum ist eine stabile Kopfhaltung für die motorische Entwicklung so wichtig?
Ist die Kopfhaltung stabil, kann das Baby den Horizont wahrnehmen, der ihm Orientierung gibt, während es sich in aufrechter Position befindet – beim Sitzen, Stehen oder Gehen. Ist der Horizont verzerrt oder das visuelle Bild instabil, erhält das Nervensystem fehlerhafte Informationen, was die sichere Bewegung beeinträchtigen kann.
Bauchlage im Wachzustand oder im Schlaf?

Für die motorische Entwicklung ist ausschließlich die Bauchlage im Wachzustand relevant. Im Schlaf entspannen sich die Muskeln, und auch das Gehirn stellt auf Ruhe statt Bewegung um. In diesem Zustand findet kein Muskeltraining statt.
Wenn wir die motorische Entwicklung unterstützen möchten, sollten wir das Baby also wach auf den Bauch legen.
Mag dein Baby die Bauchlage nicht?
Keine Sorge – das ist sehr häufig. Viele Eltern erleben, dass ihr Baby die Bauchlage zunächst ablehnt, unruhig wird, quengelt oder weint. Diese Position ist anfangs tatsächlich anstrengend: Das Baby sieht weniger von seiner Umgebung, der Kopf ist im Verhältnis zum Körper schwer, und das Anheben erfordert viel Kraft.
Gleichzeitig ist die Bauchlage aber auch motivierend.
Wird ein Baby nur selten in die Bauchlage gebracht – etwa aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod, gewöhnt es sich nicht an diese Position. Es verbringt dann viel Zeit in Rückenlage, im Kinderwagen oder in der Trage.
Wenn ein Baby die Bauchlage stark ablehnt, sollte auch geprüft werden, ob gesundheitliche Ursachen vorliegen können, z. B. Muskelhypotonie, Bauchschmerzen, häufiges Spucken, Reflux oder erhöhter Muskeltonus.
Was kannst du tun, damit dein Baby die Bauchlage mag?
Zu Beginn ist es sinnvoll, das Baby mehrmals täglich für kurze Zeit in Bauchlage zu bringen. So kann sich die Muskulatur langsam stärken, und das Baby fühlt sich zunehmend wohler in dieser Position.
Wenn das Baby noch sehr schwach ist und sichtbar kämpft, kannst du es unterstützen, indem du seine Aufmerksamkeit mit Spielzeug oder deiner Stimme lenkst. Wichtig ist die schrittweise Steigerung – überfordere dein Baby nicht.
Ideen, um die Bauchlage angenehmer zu gestalten:
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Lege dein Baby auf deine Brust. Du bestimmst den Neigungswinkel und kannst langsam von einer aufrechteren zu einer flacheren Position übergehen. Körpernähe wirkt beruhigend, und das Baby merkt kaum, dass es seine Muskeln trainiert. Sprich oder singe dabei leise mit ihm.
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Viele Babys mögen es, bäuchlings auf dem Unterarm gehalten zu werden. Diese Haltung wirkt beruhigend, hilft bei Bauchschmerzen und gewöhnt das Baby sanft an die Position (ohne gezielt zu kräftigen).
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Habt ihr einen Gymnastikball? Ab etwa 3 Monaten, wenn das Baby den Kopf schon etwas halten kann, kann es vorsichtig bäuchlings auf den Ball gelegt und sanft vor- und zurück oder seitlich bewegt werden – immer gut gesichert. Das stärkt effektiv die Rumpfmuskulatur und ist gleichzeitig spannend.
Die Bauchlage ist sicher, wenn …

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… das Baby wach ist und unter Aufsicht steht
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… es auf einer stabilen, festen Unterlage liegt (weiche Matratzen oder Sofas bergen Erstickungsgefahr)
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… auf eine korrekte Kopf- und Körperhaltung geachtet wird
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… das Baby schrittweise an die Position gewöhnt wird
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… bei Protesten mit Spiel oder Ansprache motiviert wird
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… es bequeme, elastische Kleidung trägt, die die Körpertemperatur reguliert – in den LiaaBébé Babykleidern fühlt sich dein Baby in der Bauchlage besonders wohl
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… bei Frühgeborenen vorher fachlicher Rat eingeholt wird
Wann sollte ein:e Fachperson aufgesucht werden?
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Wenn das Baby den Kopf in Bauchlage ständig überstreckt
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Wenn es den Kopf überwiegend nur zu einer Seite legt
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Wenn es den Kopf nach dem Alter von ca. 2,5 Monaten nicht halten kann
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Wenn der Kopf schief gehalten wird
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Wenn Arme oder Beine nicht symmetrisch bewegt werden
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):
Bauchlage beim Spielen stärkt Babys Schulter- und Nackenmuskulatur
Kinderaerzte-im-Netz.de: Entwicklungskalender 0–18 Monate (PDF)