Was sollte man während der Stillzeit besser nicht essen?
Verbotslisten kursieren unter Müttern seit Generationen. Oft sind es gut gemeinte Ratschläge, die jedoch so viele Einschränkungen enthalten, dass sie eher verunsichern als helfen. Manche Mütter geben diese Regeln irgendwann ganz auf. Tatsächlich gibt es viele unbegründete Sorgen und Empfehlungen, die auf falschen Beobachtungen beruhen. Gleichzeitig existieren aber auch Lebensmittel und Inhaltsstoffe, die während der Stillzeit wirklich besser gemieden werden sollten.
Während der Schwangerschaft achten wir besonders darauf, möglichst gesund zu leben und optimale Bedingungen für unser Baby zu schaffen. Nach der Geburt bleibt diese Verbindung jedoch bestehen, denn über die Muttermilch sind wir weiterhin eng mit unserem Kind verbunden. Deshalb ist auch in der Stillzeit relevant, was wir zu uns nehmen, da bestimmte Stoffe Auswirkungen auf das Baby haben können.
Bei Bauchschmerzen oder häufigem Weinen neigen viele Mütter dazu, ihre letzte Mahlzeit dafür verantwortlich zu machen. Wenn man jedoch weiß, dass nur etwa ein Prozent der Babys tatsächlich empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert, kann das beruhigend wirken. In den meisten Fällen liegt die Ursache nicht beim Frühstück vom selben Morgen. Bauchschmerzen und Weinen können viele andere Gründe haben, darüber haben wir bereits in einem früheren Artikel geschrieben.
Welche Verbote hört man am häufigsten von anderen Müttern?

Im Alltag kursieren zahlreiche Ernährungstipps und Verbote, die auf Traditionen, persönlichen Erfahrungen oder Halbwissen beruhen. Einige davon sind sachlich korrekt, viele jedoch nicht. Zunächst listen wir die häufigsten, meist nicht wissenschaftlich belegten Empfehlungen auf, anschließend betrachten wir sie aus fachlicher Sicht.
Häufig genannte, aber meist nicht fundierte Verbote:
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Blähende Lebensmittel, die angeblich Bauchschmerzen verursachen, etwa Kohlarten wie Wirsing, Brokkoli oder Blumenkohl, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Erbsen sowie Zwiebeln
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Zitrusfrüchte und saure Lebensmittel, da sie den Windelbereich reizen oder die Milch „sauer“ machen sollen, zum Beispiel Orange, Zitrone, Grapefruit oder Tomaten
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Koffein, da es angeblich den Schlaf des Babys stört
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Stark gewürzte oder scharfe Speisen, die den Geschmack der Muttermilch verändern können, etwa Chili, Knoblauch, Curry
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Meeresfisch und Meeresfrüchte wegen des Quecksilbergehalts und möglicher Allergien
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Stark allergene Lebensmittel wie Milchprodukte, Ei, Nüsse, Soja oder Gluten
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Alkohol
Was raten Fachleute tatsächlich zu meiden?

Fachliche Meinungen können sich unterscheiden. Nach aktuellem Wissensstand ist es jedoch nicht notwendig, außer wenigen Ausnahmen pauschal Lebensmittel wegzulassen. Viele Stoffe wirken nur im Körper der Mutter und gelangen nicht in die Muttermilch. Ein gutes Beispiel sind Hülsenfrüchte: Die blähende Wirkung entsteht im Darm der Mutter und hat keinen Einfluss auf das Baby.
Eine Reduktion stark allergen wirkender Eiweiße wie Ei, Milch oder Fisch kann sinnvoll sein, muss bei einem gesunden Baby jedoch nicht strikt erfolgen. Ein vollständiger Verzicht schützt nicht zuverlässig vor Allergien.
Wichtig ist außerdem, auf Zusatzstoffe in Fertigprodukten, Rückstände von Chemikalien sowie auf eingenommene Medikamente zu achten. Bestimmte Meeresfische enthalten hohe Mengen an Quecksilber, das neurotoxisch wirken kann. Alkohol wird nicht empfohlen, da er in die Muttermilch übergeht, den Milchspendereflex hemmen und das Baby erreichen kann.
Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer Tee oder koffeinhaltige Softdrinks gelangen ebenfalls in die Muttermilch und können beim Baby Unruhe oder Schlafprobleme verursachen.
Einige Lebensmittel wie Himbeeren oder Erdbeeren können den Geschmack der Muttermilch verändern, was manche Babys nicht gut akzeptieren. Ähnliches gilt für Gewürze mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen, etwa Pfeffer, scharfe Paprika, Salbei, Meerrettich oder Chili.
Auch wenn es kein Lebensmittel ist, sollte Rauchen erwähnt werden: Der Nikotingehalt in der Muttermilch kann bis zu dreimal höher sein als im Blut der Mutter.
Treten Beschwerden auf, die auf ein bestimmtes Lebensmittel hindeuten, kann es sinnvoll sein, dieses für etwa zwei Monate wegzulassen und danach erneut zu testen. Häufig verschwinden die Symptome in dieser Zeit. Bei Unsicherheiten sollten Sie immer Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt oder Ihre Hebamme um Rat fragen.
Was hingegen sinnvoll ergänzt werden kann

Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen ist auch nach der Schwangerschaft wichtig. Die Weiterführung eines Schwangerschaftsvitamins kann daher sinnvoll sein. Probiotische Nahrungsergänzungsmittel können die Verdauung unterstützen, die Reifung des kindlichen Darms fördern und möglicherweise Allergien vorbeugen. Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems.
Omega-3-Fettsäuren und Quecksilber in Fisch
Omega-3-Fettsäuren sind für die neurologische Entwicklung des Babys sehr wertvoll. Durch Umweltbelastungen hat sich jedoch der Quecksilbergehalt in vielen Gewässern und Fischen erhöht. Methylquecksilber wirkt stark neurotoxisch. Bereits geringe Mengen können in frühen Lebensphasen die Nervenentwicklung beeinträchtigen und später Konzentrations- und Lernprobleme begünstigen.
Quecksilber gelangt vor allem über große Meeresfische und Meeressäuger in den menschlichen Körper. Deshalb wird empfohlen, ein- bis zweimal pro Woche Fisch mit nachweislich niedrigem Quecksilbergehalt zu wählen.
Warum einseitige Ernährung problematisch sein kann
Wenn Mütter viele Lebensmittel meiden oder sich sehr einseitig ernähren, greift der Körper für die Zusammensetzung der Muttermilch auf eigene Nährstoffreserven zurück. Diese Reserven sind jedoch nicht immer ausreichend. Beim Abbau von Fettgewebe können außerdem neben wertvollen Nährstoffen auch fettlösliche Schadstoffe wie Schwermetalle in die Muttermilch gelangen. Ähnliches gilt bei Diäten während der Stillzeit.
Ernährung und Lebensstil beeinflussen Qualität und Menge der Muttermilch
Muttermilch ist die ideale Nahrung für Säuglinge. Um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf während der Stillzeit zu decken, benötigt der Körper der Mutter etwa 600–700 zusätzliche Kilokalorien pro Tag, verteilt auf vier bis fünf Mahlzeiten. Auch der Eiweißbedarf steigt um etwa 20 Gramm täglich.
Eine ausreichende Vitaminversorgung ist besonders wichtig, vor allem mit Vitamin A, D und C sowie Folsäure. Auch Calcium, Magnesium, Phosphor, Jod und Zink sollten ausreichend aufgenommen werden. Ebenso spielt eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr eine wichtige Rolle, um die Milchbildung zu unterstützen.
Verfasst von Mónika Veres
Quelle:
kindergesundheit-info.de (BZgA): Ernährung in der Stillzeit