Neugeborenenpflege, die ersten Tage zu Hause
Ihr lang erwartetes Baby ist endlich da. In den Tagen im Krankenhaus spüren Sie noch die sichere Unterstützung der Wochenbettpflege, oder Sie fühlen sich durch unterschiedliche Ratschläge eher verunsichert, besonders wenn sie dem widersprechen, was Sie bisher gelernt haben. Gleichzeitig denken Sie immer mehr an den Moment, wenn Sie als Familie zu Hause ankommen und der neue Alltag beginnt.
„Werde ich das richtig machen?“
Sie kommen fast ohne Übergang in eine neue, vielleicht noch unbekannte Aufgabe hinein, und Sie möchten alles liebevoll und möglichst gut machen. Jede Mutter erlebt diese erste Zeit anders.
Damit wir Ihre Sorge gleich ein wenig kleiner machen können: Für nahezu jede Situation rund um Ihr Baby gibt es heute Unterstützung, durch Fachpersonen, ein gutes gesundheitliches Netzwerk, durch praktische Hilfen und auch durch emotionale Begleitung.
Über die ersten Tage ließe sich sehr viel schreiben. In diesem Artikel fassen wir den Tagesablauf und die häufigsten Fragen und Themen zusammen. Weil es so viele widersprüchliche Informationen gibt, haben wir versucht, es möglichst einfach und klar zu halten.
Füttern nach Bedarf
Wenn Stillen aus irgendeinem Grund nicht klappt und Ihr Baby Säuglingsnahrung bekommt, gilt trotzdem: Entscheidend ist, dass Sie liebevoll füttern. Das spürt Ihr Baby.
Natürlich lohnt es sich, alles für erfolgreiches Stillen zu tun. Dafür gibt es heute passende fachliche Unterstützung.
Muttermilch ist für Neugeborene ideal zusammengesetzt. Sie unterstützt langfristig den Immunschutz und bringt viele positive Effekte für die Gesundheit Ihres Babys und auch für Sie. Deshalb betonen Fachpersonen weltweit die Bedeutung von ausschließlich Muttermilch in den ersten sechs Monaten.
Beim Stillen nach Bedarf richten sich Zeitpunkt und Dauer der Stillmahlzeiten nach den Bedürfnissen Ihres Babys. Das ist für viele Babys der natürlichste Weg, und auch die Milchbildung kann sich so passend an den Bedarf anpassen.
Wenn Sie Schwierigkeiten haben, wenden Sie sich an eine Stillberaterin. Viele bieten auch Hausbesuche an, um Sie ganz praktisch zu unterstützen.
Wenn Sie Muttermilch einfrieren möchten, ist es wichtig, die Teile der Milchpumpe und die Aufbewahrungsbehälter täglich zu sterilisieren. Dafür gibt es heute Mikrowellen-Sterilisierboxen und elektrische Geräte, es geht aber auch klassisch durch Abkochen.
Außerdem bekommt ein Neugeborenes ab Geburt D- und K-Vitamin. Art und Menge legt Ihre Kinderarztpraxis fest.
Von Hautpflege bis Nägelschneiden
Die empfindliche Haut Ihres Babys braucht besondere Aufmerksamkeit, weil sie schnell austrocknen kann. Sie schützt am besten vor Keimen, wenn sie ihre Feuchtigkeit behält und Sie bei der Pflege auf den natürlichen Zustand achten, möglichst ohne belastende Chemie.
Baden und Haare waschen
Eine sanfte Reinigung von wenigen Minuten pro Tag hat den Vorteil, dass Sie die Haut Ihres Babys regelmäßig mit klarem Wasser von möglichen Reizstoffen befreien.
Welche Badeprodukte sind sinnvoll?
Hypoallergene Babyprodukte mit natürlichen Inhaltsstoffen können gut passen, weil Babyhaut besonders sensibel auf starke Inhaltsstoffe reagiert. Manche empfehlen in der Neugeborenenzeit, nur ein wenig Olivenöl oder ein mildes Baby-Badeöl bzw. eine sanfte Creme ins Wasser zu geben und damit zu waschen.
Baden kann für die ganze Familie ein schönes Ritual sein.

Viele Babys zeigen schnell, dass sie das Abendbad genießen. Achten Sie besonders auf die Wassertemperatur, ideal sind etwa 37 bis 37,5 Grad. Sie können mit einem Badethermometer prüfen oder mit der klassischen Methode: Ellenbogen ins Wasser, wenn es weder kalt noch warm wirkt, passt es meist gut. Was wir nur als leicht warm empfinden, kann sich für Ihr Baby schon heiß anfühlen, die Haut kann sich schnell röten. Deshalb ist körperwarmes Wasser wichtig.
Es gibt Waschhandschuhe für Babys, die zum Beispiel am Kopf sanft dabei helfen können, erste Ansätze von Kopfgneis zu lösen. Viele Babys mögen es aber auch sehr, wenn Sie den Körper einfach mit der Hand waschen, weil sie Berührung direkter spüren. Waschen Sie auch die Haare vorsichtig, achten Sie auf die Fontanelle und streichen Sie sanft über die Kopfhaut.
Am Anfang reicht es oft, die Haut in 2 bis 3 Minuten behutsam zu reinigen und anschließend mit einem weichen Badetuch das Wasser abzutupfen, ohne zu rubbeln.
Achten Sie darauf, dass der Nabelstumpf nicht nass wird. Bereiche hinter den Ohren und unter dem Kinn sind manchmal schwer zu erreichen, schenken Sie ihnen extra Aufmerksamkeit. Bei Jungen sollte die Vorhaut nicht zurückgezogen werden, sie ist anfangs noch natürlich verklebt.
In manchen Familien werden dazu unterschiedliche Dinge geraten. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie dazu in Ruhe mit Ihrer Kinderarztpraxis.
Keine Sorge wegen der Nabelpflege
Der etwa 3 bis 4 cm lange Nabelstumpf fällt meist nach 5 bis 10 Tagen ab. Die Pflege ist in der Regel einfach. Wichtig ist, dass er bis zum Abfallen sauber und trocken bleibt.

Wenn Sie bemerken, dass die Stelle stark gerötet ist, anschwillt oder nässt, oder wenn Ihr Baby Fieber bekommt, wenden Sie sich an Ihre Kinderarztpraxis.
Empfehlungen zur Nabelpflege haben sich über die Jahre verändert. Früher wurde häufig Alkohol empfohlen, später eher salzhaltige Lösungen, weil Alkohol austrocknet. Alkohol wird eher dann genannt, wenn der Nabelstumpf durch Stuhl verunreinigt wird. Anstatt eine einzelne Methode festzulegen, ist es am sinnvollsten, sich an die aktuelle Empfehlung Ihrer Kinderarztpraxis zu halten. Oft zeigen es Ihnen die Fachpersonen bereits im Krankenhaus.
Auch beim Wickeln auf hautfreundliche Produkte achten
Viele Mütter finden mit der Zeit die Windeln, Feuchttücher und Cremes, die für ihr Baby am besten funktionieren.
Reinigen Sie beim Wickeln immer von vorn nach hinten. Beim Eincremen reichen meist Po und die beiden Leistenfalten. Achten Sie darauf, dass der Windelrand nicht am Nabelstumpf scheuert, klappen Sie die Windel lieber nach unten um.
Immer mehr Familien wählen Stoffwindeln, um Abfall zu reduzieren und bestimmte Inhaltsstoffe zu vermeiden. Es gibt heute viele Varianten. Wenn Stoffwindeln nicht möglich sind, gibt es auch Einwegwindeln mit „milderen“ Materialien. Insgesamt gilt: Stoffwindeln haben in der Regel den kleineren ökologischen Fußabdruck.
Auch Feuchttücher können waschbar sein. Dann genügt oft lauwarmes Wasser.
Sensible Themen, Nägel und Ohren
Die Nägel von Neugeborenen wachsen schnell. In den ersten zwei Wochen werden sie oft noch nicht geschnitten. Viele Eltern sind beim ersten Nägelschneiden nervös, dabei ist es meist gut machbar. Es gibt sehr gute Baby-Nagelscheren, alternativ kann auch eine feine Baby-Nagelfeile helfen. Am besten klappt es, wenn Ihr Baby tief schläft, sonst zieht es die Hand ruckartig weg. Schneiden Sie die Ecken nicht zu rund, das kann das Risiko für eingewachsene Nägel erhöhen.
Der Gehörgang reinigt sich selbst. Ohrenschmalz, das am Eingang sichtbar ist, können Sie vorsichtig nach außen abwischen. Stecken Sie nichts in den Gehörgang, das kann verletzen und Ohrenschmalz weiter hineinschieben.
Kurz zum Thema Schlaf
Schlaf ist sehr wichtig für die Gesundheit Ihres Babys. In den ersten Wochen ist der Schlaf oft unregelmäßig. Aktive REM-Phasen und tiefere Non-REM-Phasen wechseln schneller, und dazwischen gibt es Mikro-Aufwachmomente.
In den ersten Monaten kann Ihr Baby auch alle zwei Stunden wach werden, weil Hunger den Rhythmus stark bestimmt. Häufig werden Tag und Nacht zunächst verwechselt, das kann für Sie sehr ermüdend sein. Meist stabilisiert sich das innerhalb weniger Wochen. Unterstützen Sie den Prozess mit Abdunkeln am Abend und Ruhe.
Weiche, angenehme Kleidung kann Ihrem Baby beim Entspannen helfen. Besonders sanfte Bambusstoffe werden von vielen Eltern als komfortabel erlebt.

Ein gleichbleibendes Abendritual hilft Ihrem Baby, allmählich zu verstehen, wann Schlafenszeit ist.
Viele Familien schlafen mit dem Baby im gleichen Bett, weil es dadurch ruhiger wirkt. Fachpersonen sehen dabei jedoch Risiken, zum Beispiel weil kein Atemmonitor genutzt werden kann, eine Babydecke ins Gesicht rutschen könnte oder sich ein Elternteil unbemerkt auf das Baby drehen kann.
Als Alternative sind Beistellbetten verbreitet. Sie stehen direkt am Elternbett, Ihr Baby ist nah bei Ihnen und trotzdem klar getrennt.
Ein Atemmonitor wird bis zum ersten Lebensjahr häufig empfohlen. So kann ein Atemaussetzer im Schlaf schnell bemerkt werden, was im Säuglingsalter ein Risiko darstellen kann.
Und ganz wichtig: Sie sind auch dann eine wunderbare Mutter, wenn Ihr Baby von Anfang an im eigenen Bett oder sogar im eigenen Zimmer schläft und Sie aufstehen, wenn es Sie braucht. In Elternkreisen wird darüber oft sehr emotional diskutiert, aber keine Mutter ist „besser“ oder „schlechter“. Entscheidend ist, dass Ihr Baby spürt, dass es sich auf Sie verlassen kann, dass Sie da sind, wenn es weint.
Möchten Sie mit Ihrem Baby nach draußen?
Wenn Ihr Baby zum Termin und mit normalem Gewicht geboren wurde, können Sie in warmen Monaten meist ab der ersten Woche mit kurzen „Frischluftmomenten“ beginnen. Starten Sie langsam: zunächst nur ein paar Minuten lüften, bevor Sie hinausgehen.
Schützen Sie Ihr Baby vor Zugluft, im Sommer hilft eine dünne Mütze. Decken Sie den Kinderwagen gegen direkte Sonne ab, die Haut ist noch sehr empfindlich.
Wann ist es nicht empfehlenswert?
Bei starkem Frost, bei regnerischem, nebligem, sehr feuchtem oder windigem Wetter, und im Sommer natürlich auch bei großer Hitze.
Wenn möglich, wählen Sie für Spaziergänge eher ruhige, naturnahe Wege. So vermeiden Sie Verkehrslärm und Abgase.
Anziehen
Neugeborene haben noch wenig Fettpolster, und die Temperaturregulation ist unreif. Das sollten Sie bei der Kleidung berücksichtigen. Wenn Ihr Baby friert, kann die Haut marmoriert wirken, Lippen und Nägel können bläulich werden.
Wir haben das Thema „Neugeborene richtig anziehen“ bereits ausführlicher beschrieben, schauen Sie gern hinein.
Alle geben Ratschläge, auf wen sollten Sie hören?
Wenn etwas schwierig ist, kommen Hilfsangebote von vielen Seiten. Gleichzeitig bekommt man als Mutter auch ungefragte Tipps. Die beiden Omas sagen etwas anderes, Hebamme oder Kinderarztpraxis wieder etwas anderes, und online findet man oft widersprüchliche Aussagen.
Hilfreich ist es, das früh für sich zu sortieren. Hören Sie sich Ideen an, aber entscheiden Sie am Ende nach Ihrem Bauchgefühl und der Situation Ihres Babys.
Beratungen und Hausbesuche
Mit Ihrer Hebamme sind Sie wahrscheinlich schon länger in Kontakt. Nach der Geburt begleitet sie viele Familien weiter.
Während sie sich nach Ihrem Baby erkundigt, hat sie auch Sie im Blick, denn diese Phase kann herausfordernd sein, mit Müdigkeit, Stimmungstiefs oder Stillthemen. Sie können alles fragen, und die Unterstützung richtet sich an die ganze Familie.
Mögliche gesundheitliche Themen in den ersten Wochen
Einige Dinge können den Start erschweren. Nicht alles tritt auf, aber es kann beruhigen, vorbereitet zu sein.
Koliken
Bei Koliken weint ein Baby über mehr als drei Wochen hinweg, an mindestens drei Tagen pro Woche, jeweils etwa drei Stunden pro Tag. Oft beginnt es zur ähnlichen Tageszeit, das Weinen ist stärker und angestrengter, und es können Darmgase abgehen. Ihre Kinderarztpraxis kann mit passenden Tipps und Präparaten unterstützen, bis Ihr Baby diese Phase von selbst hinter sich lässt.
Mundsoor
Im Mund kann ein weißlicher Belag sichtbar sein, oft verursacht durch Candida. Ein früher häufig genutztes „Auswischmittel“ wird nach neueren Erkenntnissen nicht mehr empfohlen und kann schädlich sein. Lassen Sie sich dazu unbedingt in der Kinderarztpraxis beraten, welche Methode sicher ist.
Hitzepickel
In warmer, feuchter Umgebung können kleine Bläschen auf der Haut entstehen. Mit luftiger Kleidung verschwinden sie oft. Vorbeugen können Sie durch passende Kleidung aus natürlichen Materialien und sinnvolle Schichten. Wenn es nicht besser wird, sprechen Sie mit Ihrer Kinderarztpraxis, denn dann sollten andere Ursachen abgeklärt werden.
Hautschuppung
Bei übertragenen Babys ist Schuppung an Handgelenken, Händen, Knöcheln und Füßen häufig. Meist verschwindet das bis etwa zur zweiten Woche.
Windeldermatitis
In warmem, feuchtem Klima unter der Windel kann die Haut durch Urin und Stuhl gereizt werden, sie wird rot und es entstehen Ausschläge. Wichtig sind häufiges Windelwechseln, Haut trocken halten, nach Urin und Stuhl mit lauwarmem Wasser reinigen und eine fettreiche, wasserabweisende Creme nutzen.
Ekzem
Ekzeme zeigen sich oft als trockene, schuppige, juckende Stellen, häufig im Gesicht. Bei Babys und Kindern ist die atopische Form besonders häufig und hängt oft mit einer allergischen Veranlagung zusammen. Deshalb wird oft empfohlen, möglichst lange zu stillen. Es gibt Badeöle für atopische Haut, manchmal ist auch ein ärztlich verordnetes Produkt nötig. Bitte lassen Sie das in der Kinderarztpraxis beurteilen.
BCG-Impfstelle
Etwa 3 bis 4 Wochen nach der Impfung kann ein kleiner roter Knoten am Oberarm sichtbar sein. Nach 4 bis 6 Wochen kann sich eine kleine Blase bilden, die sich entleert, verkrustet und dann mit einer kleinen Narbe abheilt. Halten Sie die Stelle trocken und schützen Sie sie vor Verletzungen. Bei ungewöhnlicher Entzündung sollten Sie es fachlich zeigen lassen.
Wie können Sie sich auf das Wochenbett vorbereiten?
Wenn Sie neben dem Lesen mehr möchten, können Kurse eine gute Ergänzung sein. Ihre Hebamme kann viele Fragen beantworten, und auch vertraute Menschen in Ihrer Familie können eine wichtige Stütze sein.
Bei Frühgeborenen oder Babys mit besonderen medizinischen Themen ist die Versorgung oft spezieller. Dann sind die Empfehlungen der betreuenden Fachpersonen besonders wichtig.
Wir hoffen, diese Zusammenfassung hilft Ihnen. Unser Schwerpunkt ist das Thema Babybekleidung. Wenn Sie dazu Fragen haben, schreiben Sie uns gern, wir unterstützen Sie.
Verfasst von Katalin Gyenes
Wenn Sie weiter lesen möchten:
gesund.bund.de - Unterstützung für Familien nach der Geburt
kindergesundheit-info.de - Babys Pflege