Wie lange isst ein Baby nachts?
Wir möchten eine häufige Frage beantworten: Wie lange gilt es als normal, dass ein Baby nachts aufwacht, um zu trinken oder zu essen? Gleich zu Beginn ist wichtig: Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo, deshalb lässt sich kein fixes Alter festlegen, bis zu dem ein Baby nachts Nahrung brauchen „muss“. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, dennoch geben wir Ihnen ein paar hilfreiche Einordnungen dazu.
Wenn Ihr Baby nachts Hunger hat, wird es wach. Das ist oft bis etwa zum Alter von 1,5 Jahren so, häufig mit mindestens einem nächtlichen Aufwachen. An sehr warmen Tagen kann der Grund auch Durst sein. Manche Babys wachen zudem beim Wechsel zwischen Schlafphasen kurz auf. Und manchmal sind es ganz kurze „Check-ins“, um sicherzugehen, dass die Mama in der Nähe ist und alles sicher ist. Beim Stillen nach Bedarf erkennen viele Mütter leichter, wann ihr Kind wirklich Hunger hat.
Was bedeutet Stillen nach Bedarf?
Damit ist eine Form der Versorgung gemeint, bei der die Mutter ihr Baby nach seinen Bedürfnissen stillt, nicht nach einem starren Zeitplan. Ihr Baby darf bei jedem Signal an die Brust, unabhängig davon, wann es zuletzt getrunken hat. Auch die Mutter kann das Stillen anstoßen, wenn die Brust spannt, also dürfen auch ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Exklusives Stillen wird oft dadurch unterstützt, dass das Baby keinen Schnuller und keine Flasche bekommt, sondern sein Saugbedürfnis an der Brust ausleben kann.
Stillen nach Bedarf folgt den körperlichen Bedürfnissen des Kindes. Das Saugbedürfnis ist angeboren, viele Babys lutschen bereits im Mutterleib am Daumen. Saugen hat aber nicht nur eine Ernährungsfunktion, es ist für Säuglinge auch ein wichtiger Beruhigungsmechanismus. Man spricht dann manchmal von Komfortsaugen. Es kann also sein, dass Ihr Baby vor allem dieses Gefühl sucht, wenn es an die Brust möchte. In einigen Kulturen werden Babys sehr körpernah getragen und können ohne feste Grenzen trinken, teilweise sogar sehr häufig, bis zu 80–100 Mal am Tag.
Tagesablauf mit Stillen nach Bedarf?
Die Ankunft eines Babys verändert den Alltag grundlegend. Der Gedanke kann verunsichern, dass Stillen nach Bedarf noch mehr Belastung bedeutet. Viele erleben jedoch, dass sich ein Alltag leichter entwickeln lässt, wenn man sich am Baby orientiert und mit ihm „mitgeht“. Oft ist es einfacher, sich an ein Baby anzupassen, als ein Baby in einen strikten Rhythmus zu pressen. Ein Tagesablauf kann phasenweise gut funktionieren, gleichzeitig bringt das Leben mit Baby immer wieder Veränderungen mit sich und ist nicht vollständig planbar.
Was kann das nächtliche Stillbedürfnis beeinflussen?

Der Magen eines Neugeborenen ist sehr klein, etwa wie eine Kirsche, und die Verdauung ist schnell. Deshalb können Neugeborene sehr häufig, auch nachts, alle 1,5 bis 2 Stunden hungrig sein. Frühgeborene trinken ebenfalls oft nachts, weil sie ihr Gewicht aufholen müssen. In den ersten Wochen ist es zudem typisch, dass Babys Tag und Nacht noch nicht klar unterscheiden. Dann schlafen sie tagsüber mehr und sind nachts längere Zeit wach.
Stillen nach Bedarf unterstützt die Milchbildung in der Menge, die Ihr Baby gerade braucht. Das kann besonders bei Wachstumsschüben hilfreich sein, wenn ein Baby vorübergehend mehr Milch verlangt. In solchen Phasen möchte es häufiger trinken, die Brust bekommt mehr Impulse und die Milchmenge passt sich an. Dafür ist wichtig, dass das erhöhte Stillbedürfnis auch wirklich gestillt wird, ohne unnötige Zufütterung. Wachstumsschübe werden häufig um den 10. Tag, um die 3. Woche, um die 6. Woche und um den 3. Monat herum beobachtet.
Mit der Entwicklung kann auch das Bedürfnis nach nächtlichem Stillen zunehmen. Ein Baby im Alter von 3 bis 4 Monaten entdeckt seine Umgebung intensiver, wird aktiver und fokussiert seine Aufmerksamkeit stärker. Dann können Stillmahlzeiten tagsüber deutlich kürzer werden, weil viele Reize ablenken. Wenn pro Stillen weniger getrunken wird, steigt oft die Anzahl der Stillmahlzeiten. So sichert sich Ihr Baby die Menge, die es braucht. Nachts sind weniger Reize da, deshalb kann sich das Stillen in der Nacht „wichtiger“ anfühlen, weil Ihr Baby sich dann leichter aufs Trinken konzentriert.

Auch die motorische Entwicklung nach dem 6. Monat kann sich auswirken. Tagsüber ist oft viel „los“, und manche Babys trinken dann sehr kurz, manchmal nur wenige Minuten. In der ruhigen Nacht holen sie das gelegentlich nach, teils auch mit größeren Trinkmengen.
Bei Sommerhitze oder trockener Raumluft kann es passieren, dass Ihr Baby nachts stillen möchte, weil es Durst hat. Wenn Sie das vermuten, wird die Flüssigkeit auch dann am besten über das Stillen ausgeglichen, nicht über Wasser oder Tee. Versuchen Sie nicht, das nächtliche Aufwachen mit anderen Getränken „abzugewöhnen“, denn Ihr Baby kann trotzdem hungrig bleiben.
Wie zeigt Ihr Baby, dass es stillen möchte?

Neugeborene führen die Hände zum Mund, nuckeln an der Faust, schmatzen, öffnen den Mund, strecken die Zunge heraus oder suchen mit dem Kopf. Spätestens dann ist es sinnvoll, auf die Signale zu reagieren. Wenn das Baby keine Antwort bekommt, kann es unruhiger werden und anfangen zu weinen. Wartet die Mutter bis dahin, ist Stillen nach Bedarf schwieriger umzusetzen.
Mit etwa 3 Monaten entdecken Babys ihre Körperteile, deshalb bedeutet Händesaugen dann nicht immer eindeutig Hunger. Häufiger sieht man kräftigere Hinweise wie Unruhe, Ungeduld und deutliches Suchen. Später kommuniziert das Baby seinen Stillwunsch meist noch klarer.
Nächtliches Stillen führt nicht zu Übergewicht
Ein nach Bedarf gestilltes Baby lernt in der Regel früh, sein eigenes Hungergefühl wahrzunehmen. Es trinkt so viel und in dem Tempo, wie es gerade braucht. Deshalb müssen Sie keine Angst vor „zu viel“ und unerwünschter Gewichtszunahme haben. Bei Babys, die nach festen Zeiten gestillt werden, kommt es dagegen häufiger vor, dass nicht immer genau dann getrunken wird, wenn Hunger entsteht. Das kann eher zu unruhigem Trinken oder „Überessen“ beitragen.
Wann hören die nächtlichen Stillmahlzeiten auf?
Das ist sehr individuell. Bei manchen Babys nimmt die Anzahl der nächtlichen Mahlzeiten schon nach einigen Monaten langsam ab, andere werden auch nach dem ersten Geburtstag nachts noch hungrig. Selbst beim gleichen Kind können sich Phasen deutlich unterscheiden, und das ist nicht immer leicht. Grundsätzlich gilt aber: Wenn Ihr Baby hungrig ist, kann es auch aus dem Schlaf aufwachen, für ein Baby ist eine mehrstündige Nacht schließlich lang. Ohne Stillen, oder wenn die Milch durch andere Getränke ersetzt wird, schlafen viele Kinder nur schwer wieder ein.
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
kindergesundheit-info.de - (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit – BIÖG)
Netzwerk Gesund ins Leben - Wie oft müssen Säuglinge gestillt werden?