Wie entwickelt sich Ihr Kind zwischen 18 und 24 Monaten?
Ein Kind mit etwa anderthalb Jahren wird schon richtig selbstständig. Es möchte im Alltag am liebsten alles von den Eltern „lernen“ und nachmachen. Wenn es passende, sichere Gegenstände findet, „erledigt“ es Aufgaben gleich selbst. Genau deshalb ist es hilfreich, diese frühe, einfache, aber sehr ausdrucksstarke Form des Rollenspiels zu unterstützen, mit gut erreichbaren und sicheren Dingen, die Ihr Kind dafür benutzen darf.
Und es geht nicht nur ums „Arbeiten“. Viele Kleinkinder helfen gern beim Anziehen, waschen beim Baden ihren Bauch oder decken Papa zu, wenn er im Sessel einschläft. In diesem Alter entstehen oft besonders herzerwärmende Gewohnheiten.
Schauen wir gemeinsam, welche Entwicklungsbereiche zwischen 18 und 24 Monaten außerdem besonders wichtig sind.
Sehen von Farben, Raum und kleinen Distanzen

Das Sehen Ihres Kindes hat nun ein Niveau erreicht, bei dem es seine Entdeckungen immer stärker selbst steuert. Dass es Tiefenwahrnehmung und Abstände besser einschätzen kann und auch nach Dingen in etwa 35 Zentimetern Entfernung gezielt greift, erweitert seine Bewegungsmöglichkeiten und damit auch das Lernen.
Wenn Ihr Kind gern malt oder kritzelt, ist es gut zu wissen: Spuren zu hinterlassen ist ein grundlegender menschlicher Impuls. Wichtig ist dabei, Ihrem Kind Raum zu geben, sich zu entfalten. Mit etwa anderthalb Jahren beginnt es, mit abgestütztem Stift zu punktieren, mit beiden Händen Linien zu ziehen und später Knäuel und Spiral Kritzeleien zu machen. Sie können dickere Buntstifte, Wachsmalstifte für Kleinkinder, abwaschbare Kreiden oder auch ein selbstgemachtes Stempel Spiel mit einem Schwamm anbieten. Und hängen Sie die Werke ruhig sichtbar auf, zum Beispiel an den Kühlschrank oder an die Wand, damit Ihr Kind sie stolz betrachten kann.
Wann kann es beim Sehen Probleme geben?
Es gibt Anzeichen, bei denen Sie sicherheitshalber eine augenärztliche Abklärung wählen sollten. Wenn Ihr Kind beim Laufen häufiger gegen Möbel stößt oder öfter hinfällt, kann das auf Schwierigkeiten beim scharfen Sehen hinweisen. Auch wenn es Bücher oder Spielzeug auffällig nah an die Augen hält, ist das ein Signal, genauer hinzuschauen.
Was ist Hör Aufmerksamkeit?
Hör Aufmerksamkeit, auch auditive Aufmerksamkeit genannt, umfasst die Fähigkeit, Informationen über das Hören aufzunehmen. Ihr Kind kann Geräusche unterscheiden, erkennen und einordnen. Selbst in größerem Lärmfiltert es häufig die Stimme der vertrauten Erwachsenen heraus. Es nimmt wahr, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, auch von hinten. Die Förderung der Hör Aufmerksamkeit ist heute bei vielen Kindern besonders im Fokus.

Kinder verstehen Sprache meist früher, als sie selbst viele Wörter sprechen können. Sie lieben es, dass die Welt voller Geräusche ist, alles zieht sofort ihre Aufmerksamkeit an. Wenn Sie dieses Interesse sanft und musikalisch nutzen möchten, können gut gestimmte Instrumente passend sein, zum Beispiel eine kleine Trommel, ein Xylophon, ein Klavier oder eine Blockflöte. So kann sich auch das musikalische Gehör weiterentwickeln, und Ihr Kind erlebt klare, schöne Klänge, die späteres Interesse an Musik mitprägen können.
Auch beim Hören können Schwierigkeiten auftreten. Wenn Ihr Kind nicht auf seinen Namen reagiert oder ungewöhnliche Geräusche kaum beachtet, ist eine Untersuchung sinnvoll. Weniger auffällig ist es, wenn ein Kind Klänge nicht gut unterscheiden kann. Wenn es zum Beispiel Dinge verwechselt, deren Geräusche ähnlich sind, nehmen Sie das ernst.
Das Gehen entwickelt sich weiter
Ihr Kind macht größere Schritte und wird schneller. Dabei sehen Sie oft, dass es nicht mehr mit hoch gehaltenen Armen balanciert. Stattdessen wird die Bewegung wechselnder, rechter Arm und rechtes Bein gehen gemeinsam, dann links. Mit etwa zwei Jahren setzt es den Fuß nicht mehr „flach“ auf, sondern rollt ihn ab, zuerst über die Ferse.
Es kann auf verschiedenen Untergründen laufen, auf leichten Steigungen oder in unebenem Gelände. Hindernisse werden häufig eher überstiegen als umgangen. Beim Treppensteigen schafft es es um den zweiten Geburtstag herum oft schon mit einer Hand am Geländer, Schritt für Schritt, ein Fuß neben den anderen.
Es beginnt zu rennen und zu springen. Dafür braucht es Kraft in den Beinen, und gleichzeitig wird der Gleichgewichtssinn aktiv mit eingesetzt. Achten Sie auf eine sichere Umgebung, denn Stürze passieren in dieser Phase schnell. Schaffen Sie möglichst einen geschützten Bereich, in dem Ihr Kind rennen und hüpfen darf.

Feinmotorik baut stark auf Konzentration auf. Mit etwa anderthalb Jahren kritzelt Ihr Kind, baut Türme, packt Dinge aus und räumt Spielzeug in Kisten. Form Steck Spiele sind in diesem Alter sehr beliebt, weil das Einsetzen die feinen Bewegungen besonders gut trainiert. Holzklötze sind Klassiker, mit denen Kinder die Freude am Bauen erleben. Knete ist ebenfalls ein wunderbares Material, weil sie Hand Augen Koordination, Geschicklichkeit, Kreativität und Muskulatur unterstützt.
Die „Was ist das?“ Phase beginnt
Diese spannende Zeit startet oft mit der Erkenntnis, dass alles einen Namen hat. Neugier und Wissensdurst treiben Ihr Kind an, es fragt ständig: Was ist das?
Viele Begriffe merkt es sich erstaunlich schnell, manchmal reicht es, etwas einmal zu benennen. Es kommt zu einer Art Wortschatzsprung. Neue Wörter sammeln sich zunächst im passiven Wortschatz und tauchen dann oft überraschend im Sprechen auf. In dieser Phase entstehen auch die ersten Zwei Wort Sätze, zum Beispiel: „Mama sitzt.“ Ihr Kind versteht Aufforderungen immer besser und kann einfachen Bitten nachkommen.
Was sind wichtige Fähigkeiten in der Sozialentwicklung?
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Ihr Kind beginnt Gespräche und Spiel mit Zwei Wort Sätzen.
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Es imitiert Hausarbeiten mit Freude, Rollenspiel wird sichtbar.
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Mitgefühl und der Wunsch zu trösten zeigen sich.
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Es beginnt Familienregeln zu verstehen und merkt, wenn es sie verletzt.
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Es besteht auf Selbstständigkeit.
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Beim Anziehen macht es aktiv mit und hilft.
Wie steht es um Selbstständigkeit im Alltag?
Ihr Kind beobachtet Erwachsene, imitiert Handlungen und probiert vieles selbst aus. Typisch sind zum Beispiel:
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Es signalisiert, wenn die Windel gewechselt werden soll.
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Es kaut auch Stückchen im Essen.
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Es isst gern selbstständig mit einem kleinen Löffel.
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Es versucht, Kleidung selbst auszuziehen.
Welche Spiele empfehlen wir?
Weil Ihr Kind Mama und Papa so gern bei Alltagstätigkeiten nachahmt, sind sichere Gegenstände ideal, mit denen es nachspielen kann, was es sieht. Wenn es sich fürs Kochen interessiert, kann ein kleiner Topf und ein Kochlöffel eine lange Beschäftigung sein. Für den Spielspaß können Sie etwas Zucker oder Grieß in den Topf geben, damit es rühren kann. Beobachten Sie dabei gut, nicht nur wegen des Verschüttens, sondern auch, damit Ihr Kind das „gekochte“ Essen nicht probiert.
Bücher und Bilderhefte helfen, Dinge wiederzuerkennen, die Ihr Kind in der echten Welt schon gesehen hat. Wenn Sie dazu Geschichten erzählen, entstehen besonders innige Momente, mit Aufmerksamkeit und echter gemeinsamer Zeit.
Turm bauen ist ein wichtiger Entwicklungsschritt. Geben Sie dafür Klötze, aus Holz oder auch aus Schaumstoff. Puzzles sind ebenfalls spannend, wählen Sie einfache Varianten mit wenigen Teilen, die für die Kleinsten geeignet sind.
Sie können auch gemeinsam Rollenspiel machen, kochen, fegen, kleine Aufgaben nachspielen. Ein kleiner Eimer ist toll, um im Garten Steinchen zu sammeln oder Sand zu schaufeln und nach Lust und Laune zu transportieren, manchmal ganz zielgerichtet, manchmal einfach aus Freude an der Bewegung.
Vielleicht haben Sie früher schon einen Überblick zur Entwicklung Ihres Babys gelesen, Monat für Monat. Wenn nicht, lohnt sich ein Blick. In mehreren Blogartikeln zeigen wir Entwicklungsphasen ausführlich, mit Fokus auf Sehen, Hören, Bewegung, Kommunikation, Sozialentwicklung und Lernen.
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
kindergesundheit-info.de - Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) - Gesundheitsuntersuchungen für Kinder & Jugendliche