Wie entwickelt sich das Gehör eines Babys?
Von unseren fünf Sinnen ist das Gehör bereits in der Schwangerschaft entwickelt, und zwar als erstes. Deshalb treten wir schon sehr früh mit der Außenwelt in Kontakt. Hören ist wichtig, weil wir darüber Sprache und mündliche Kommunikation lernen. Es hilft uns, uns zu orientieren, Wissen aufzunehmen und zu lernen. Es schenkt uns außerdem Erlebnisse, Unterhaltung und kann auch beruhigen.
Mit dem Wachstum Ihres Kindes werden auch seine Hörfähigkeiten immer feiner. In den ersten ein bis zwei Jahren geht es nicht nur darum, Geräusche wahrzunehmen, sondern auch darum, Gehörtes zu verstehen und einzuordnen. In der Kindheit unterstützt das Hören das Lernen, den Aufbau sozialer Beziehungen und die Verarbeitung von Informationen aus der Umgebung. In den Schuljahren wird seine Bedeutung noch größer, denn ein wesentlicher Teil des Lernens geschieht über das Gehör: Erklärungen, Anweisungen und Gespräche im Unterricht bauen darauf auf.
In der Jugend und im jungen Erwachsenenalter unterstützt gutes Hören das Vertiefen emotionaler Beziehungen, die Teilhabe am sozialen Leben sowie die Kommunikation im beruflichen und gesellschaftlichen Alltag. Auch im Erwachsenenleben, ob im Beruf oder in alltäglichen Gesprächen, ist gutes Hören unverzichtbar für verlässliche Verständigung und ein sicheres Leben. Deshalb ist es wichtig, das Gehör zu schützen und regelmäßig kontrollieren zu lassen, damit diese wertvolle Fähigkeit möglichst lange erhalten bleibt.
Aber beginnen wir ganz am Anfang.
Was sind die wichtigsten Entwicklungsstationen des Hörens in der Schwangerschaft?
Wussten Sie, dass Ihr Baby im Bauch zunächst vor allem Vibrationen wahrnimmt und erst später nach und nach Geräusche aus der Außenwelt hört? In der 3. Schwangerschaftswoche beginnt die Entwicklung des Ohres, danach folgen weitere große Entwicklungsschritte.
Nach der 8. Woche entwickelt sich das Mittelohr, in der 11. Woche entstehen Membran und Trommelfell. Das Innenohr, die Hörschnecke und der Schneckengang verbinden sich in der 21. Woche mit der Großhirnrinde. Ab hier beginnt das Erkennen und Speichern von Geräuschen. Voll ausgereift ist das Hören schließlich in der 24. Woche.
Ein Fötus in der 30. Woche kann bereits Geräusche aus dem Körper der Mutter wahrnehmen, besonders den Herzschlag. Geräusche von außen, zum Beispiel die Stimmen der Eltern, unterscheidet er später. Wenn die Mutter mit ihrem Baby spricht, und dabei vor allem ihre Stimme präsent ist und keine anderen Geräuschquellen dominieren, kann das Kind ihre Stimme leichter speichern und nach der Geburt auch sichtbar wiedererkennen.
Da laute Geräusche, zum Beispiel Maschinenlärm oder ein Konzert, den Herzschlag und die Bewegungen des Fötus steigern können und ihn unruhig machen, ist es sinnvoll, solche Situationen zu meiden. Stattdessen kann es wohltuend sein, häufiger sanfte Musik zu hören, meditativ wirkende Klänge, klassische Musik oder ruhige instrumentale Stücke.
Wie entwickelt sich das Gehör nach der Geburt?
Spannend und zugleich ganz natürlich ist, dass Babys von Anfang an besonders von der menschlichen Stimme und Sprache angezogen werden. Sie können hohe und tiefe Töne unterscheiden, und zunächst wirken hohe Töne oft interessanter. Am Anfang erschrecken sie bei Geräuschen, später gewöhnen sie sich daran. Bei sehr plötzlichen, scharfen Tönen zucken sie zusammen oder weinen, bis sie verstehen, dass um sie herum immer wieder verschiedene Geräusche auftauchen und nicht gefährlich sind. Mit etwa einem Monat reagiert ein Baby bereits, wenn man mit ihm spricht, und tiefere Klangfarben können beruhigend wirken.
Zwischen dem 2. und 4. Monat nutzt Ihr Baby auch seine eigene Stimme immer lieber und gibt fröhliche Laute von sich. Die Stimme der Mutter kann es eindeutig von anderen unterscheiden. Deshalb ist es so wichtig, dass die Mutter viel mit dem Baby spricht. Mit etwa 4 Monaten ziehen Melodien die Aufmerksamkeit oft besonders an.

Zwischen dem 6. und 9. Monat verfeinert sich das Hören deutlich. Ihr Baby findet die Richtung von Geräuschen fast aus allen Richtungen, sogar von hinten. Es liebt es, selbst Geräusche zu machen, zu klopfen, zu rascheln und zu schlagen. Spielzeug, das Geräusche erzeugt, ist jetzt oft besonders beliebt. Achten Sie bei solchen Spielsachen darauf, dass die Klänge nicht verzerrt sind, sondern klar und möglichst natürlich.
Mit 10 bis 12 Monaten kann ein Baby so sehr ins Spielen vertieft sein, dass es Geräusche um sich herum kaum beachtet. Wenn man es beim Namen ruft, dreht es sich jedoch bereits zur Person um. Für die Sprachentwicklung ist es wichtig, dass das Kind sich selbst gut hört, und dass auch die Worte der Eltern klar und verständlich ankommen. Wenn ein Kind regelmäßig Rückmeldungen erhält, lernt es dadurch und kann Bilder, die mit Geräuschen und Worten verbunden sind, besser erkennen.

Bis etwa 1,5 Jahre verfeinert sich das Gehör noch stärker, damit Sprachverständnis und Sprechen gut in Gang kommen. Babys lieben Lieder und Musik, deshalb kann es schön sein, musikalische Angebote zu besuchen, Wiegenlieder einzubauen oder täglich zu singen. Solche Erlebnisse können die Grundlage für spätere Freude an Musik legen. In diesem Alter werden oft besonders Melodien in höherer Lage gut unterschieden. Gleichzeitig wächst der Wortschatz sehr schnell.
Bei Babys kommt eine Mittelohrentzündung häufig vor, sie kann auch chronisch werden. Das kann vorübergehend das Hören schwächen, und wenn es länger anhält, kann es auch zu einer Hörbeeinträchtigung führen. Wenn Ihnen etwas Ungewöhnliches am Hörverhalten Ihres Kindes auffällt, lassen Sie es bitte fachärztlich abklären. Worauf können Sie achten?
-
Bei Frühgeborenen sind Reaktionen auf Geräusche nicht immer gleichmäßig. Manchmal reagiert das Baby deutlich, manchmal kaum. Das kann mit dem unreifen Nervensystem zusammenhängen, trotzdem ist ärztlicher Rat sinnvoll.
-
Ein Baby, das gut hört, weint um etwa die 6. Woche oft bereits unterschiedlich, je nachdem, was es braucht. Wenn ein Baby nicht gut hört, kann das ausbleiben. Das Weinen kann dann monoton, sehr hoch und eher mechanisch wirken. Auch Gurren und Babbeln kann fehlen.
-
Mit 9 bis 12 Monaten kann ein Baby beim Spielen so vertieft sein, dass es nicht reagiert, wenn man es ruft. Das ist normal. Wenn es jedoch praktisch immer so ist, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
-
Eine leichte Hörminderung ist nicht immer leicht zu erkennen. Wenn Ihr Kind ständig sehr lautes Spielzeug bevorzugt, die Richtung von Geräuschen kaum sucht, beim Namen zwar den Kopf hebt, aber nicht auf die sprechende Person achtet, oder insgesamt wenig Laute macht, können das Warnzeichen sein.
Das Ohr besteht aus drei Bereichen: Außen-, Mittel- und Innenohr

Zum Außenohr gehören Ohrmuschel, Gehörgang und Trommelfell. Im Mittelohr befinden sich Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie leiten und verstärken die Schwingungen in das Innenohr. Dort sitzen empfindliche Haarzellen, die die Schallreize weitergeben, damit sie im Gehirn verarbeitet werden können. An dieser Stelle lohnt ein kurzer Stopp, denn zu den Haarzellen gibt es einen wichtigen Punkt, den wir in unserer technisch geprägten Welt immer im Blick behalten sollten.
Schützen Sie Ihr Kind vor Lärmbelastung
Wichtig ist zu wissen, dass die Haarzellen im Innenohr sehr empfindlich und verletzlich sind. Starker Lärm kann sie irreversibel schädigen. Deshalb tragen wir eine große Verantwortung dafür, welche Lautstärken wir unseren Kindern, und auch uns selbst, zumuten. Während wir unsere Augen schließen können, um das Sehen zu unterbrechen, lässt sich das Hören nicht einfach ausschalten, auch nicht im Schlaf.
Gerade bei kleinen Kindern ist besondere Aufmerksamkeit wichtig. Technische Möglichkeiten führen heute leider auch leichter zu Unachtsamkeit. Nehmen Sie Ihr Kind nicht mit zu Veranstaltungen, etwa zu Konzerten oder sehr lauten Kinovorführungen, bei denen unverhältnismäßig hohe Lautstärken auftreten. Doch ab wann kann Lärm überhaupt problematisch werden?
Interessant ist, dass Lärm nicht nur wegen der Lautstärke belastend sein kann, sondern auch wegen seiner psychischen Wirkung, weil das Nervensystem dauerhaft stimuliert wird. Das kann bereits ab etwa 30 dB spürbar sein, allerdings nicht bei allen Menschen. Dazu gehören zum Beispiel monotones Brummen, Klicken, Straßenlärm und auch dauerhafte Sprachgeräusche.

Ab etwa 65 dB können bereits Schäden an Haarzellen auftreten, außerdem können vegetative und nervliche Belastungen entstehen. Auch die Schlafqualität kann schlechter werden. Dauerhaft laute Gespräche, Tierlaute, Verkehrslärm oder das Brummen von Maschinen liegen ungefähr in diesem Bereich.
Ab etwa 85 dB kann es zu einer Schädigung des Hörorgans kommen, mit vorübergehendem oder dauerhaftem Hörverlust. Denken Sie an sehr laute Sirenen, Konzerte, Presslufthämmer oder Baustellenlärm. Ab diesem Punkt ist Gehörschutz notwendig. Leider werden in Kinos heute teils auch Werte über 100 dB gemessen, sogar bei Kinderfilmen. Deshalb sollten Eltern verantwortungsvoll entscheiden, ob sie ihr Kind dieser Lärmbelastung aussetzen.
Wussten Sie, dass …
-
das menschliche Ohr rund 400.000 Geräusche unterscheiden kann?
-
das Mittelohr auf etwa 1 Quadratzentimeter unsere drei kleinsten Knochen enthält?
-
wir ab etwa 120 dB, zum Beispiel beim Start eines Flugzeugs, körperlichen Schmerz empfinden, und ab etwa 160 dB, etwa bei einer Explosion in der Nähe oder beim Auslösen eines Airbags, sofort ein Trommelfellriss und Hörverlust auftreten können?
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
BZgA – Kindergesundheit-Info - Der Hörsinn des Säuglings
Umweltbundesamt (UBA) – Lärm: Nichts für kleine Kinderohren