Warum überstreckt sich mein Baby?
Wenn Ihr Baby sich hin und wieder anspannt, unruhig wirkt oder weint, hängt das in den meisten Fällen mit Frust zusammen. Trotzdem gibt es auch andere Ursachen, die Sie kennen sollten, damit Sie den Moment erkennen, in dem es sinnvoll ist, zusätzlich eine Fachperson um Rat zu fragen.
Die Reifung des Nervensystems Ihres Babys verläuft als gut gesteuerter Prozess, aber bei jedem Kind in einem eigenen Tempo. Neben den sichtbaren Entwicklungssprüngen passieren ständig feinere Veränderungen im Nerven- und Muskelbereich. Dabei können kleine Auffälligkeiten entstehen, die oft gar nicht deutlich zu erkennen sind und sich mit zunehmender Muskelkraft von selbst ausgleichen. Es gibt jedoch auch auffälligere Anzeichen, bei denen eine Abklärung sinnvoll ist.
Was sehen wir, wenn sich ein Baby anspannt?
Die Bewegung ist meist gut zu erkennen, besonders wenn Sie Ihr Baby auf dem Arm haben. Es macht oft ein Hohlkreuz, wirft den Kopf nach hinten, spannt den Rücken an und weint in vielen Fällen. Manchmal wirkt es sogar wütend. Viele Eltern sind anfangs überrascht, weil ihr Baby eben noch zufrieden war, dann erkennen sie nach und nach typische Auslöser, häufig ist es ein plötzlicher Moment der Frustration.
In Bauchlage sieht man außerdem nicht selten das sogenannte „Fliegern“, den Landau-Reflex. Das ist zwar eine andere Bewegung als das gerade beschriebene Überstrecken, trotzdem macht es vielen Eltern Sorgen. Ihr Baby liegt dabei meist auf dem Bauch, hebt Arme und Beine deutlich an und blickt nach vorne. Die Ellenbogen sind gebeugt, die Hände befinden sich ungefähr auf Höhe des Kopfes.
Wenn Schmerzen dahinterstecken, ist das Anspannen häufig mit starkem, anhaltendem Weinen verbunden und Ihr Baby lässt sich nur schwer beruhigen. Krampfartige Bauchschmerzen oder das Brennen bei Reflux können sehr belastend sein. Bei Bauchschmerzen zieht das Baby oft zusätzlich die Beine an, der Bauch kann hart wirken, manchmal sind Darmgeräusche zu hören. Reflux wird für Eltern häufig dadurch sichtbar, dass es nach dem Füttern oft spuckt und sich verschluckt, was den Alltag deutlich erschweren kann.
Der Moro-Reflex ist eigentlich kein „Anspannen“, wirkt optisch aber ähnlich. Babys unter etwa drei Monaten zeigen ihn häufig in Rückenlage oder beim Hochnehmen, wenn sie sich unsicher fühlen. Sie spreizen die Arme, halten kurz die Luft an, wirken erschrocken und fangen oft an zu weinen.
Was sind mögliche Ursachen?
Diese Verhaltensweisen und möglichen Symptome lassen sich meist gut voneinander unterscheiden. So können Sie ein harmloses, nervöses Anspannen häufig klar abgrenzen von Anzeichen, die eher mit Bewegung, Nervensystem oder Muskeltonus zusammenhängen, und auch von seltenen Situationen, die sofortige Hilfe benötigen.
Auch Komplikationen rund um die Geburt, zum Beispiel eine vorübergehende Sauerstoffunterversorgung, können Auswirkungen auf Muskeltonus und Nerven haben. In unklaren Fällen kann es hilfreich sein, diesen Hintergrund mitzudenken.
Schauen wir uns an, warum ein Baby sich anspannen kann.
Die Situation passt nicht, Ihr Baby wehrt sich
Kommt zum Beispiel Besuch und hebt Ihr Baby plötzlich hoch, erschrickt es vielleicht wegen der ungewohnten Situation, einer fremden Stimme oder eines unbekannten Gesichts. Dann reagiert es oft mit Anspannung. Babys sind sehr sensibel für Bewegungen, Geräusche und kleine Reize, die sich von dem unterscheiden, was sie von ihren Eltern kennen. Wird Ihr Baby von einer fremden Person anders, vielleicht auch schwungvoller gehalten oder in eine ungewohnte Position gebracht, kann das Frust auslösen. Da Babys Gefühle vor allem über Stimme und Körper ausdrücken, zeigen sie Unbehagen dann häufig durch Anspannen und Weinen. Das sind meist einzelne Situationen und lässt im Laufe der Entwicklung nach.
Landau-Reflex
Manchmal gilt das „Fliegern“ fälschlicherweise als Problem, dabei ist es oft ein wichtiger Entwicklungsschritt. Meist zeigt sich diese Haltung ungefähr ab dem 4. Monat. Wenn man selbst versucht, diese Position zu halten, merkt man schnell, wie viel Kraft sie von der Rückenmuskulatur verlangt. Genau deshalb ist sie so wertvoll: Sie stärkt den Rücken, unterstützt weitere motorische Schritte und Ihr Baby kann in dieser Haltung auch weiter entfernte Dinge besser anschauen und sich darauf konzentrieren. Die Bauchlage stört das nicht, im Gegenteil, von dort aus wird Ihr Baby nach Spielzeug greifen, sich abstützen oder die Hand zum Mund führen.
Wenn Sie das „Fliegern“ jedoch noch mit etwa 6 Monaten deutlich beobachten, ist es sinnvoll, eine Fachperson aufzusuchen. Das gilt auch dann, wenn Ihr Baby Bauchlage generell nicht mag. Bauchlage ist wichtig, damit das Robben und Krabbeln in Gang kommt. Wenn diese Entwicklungsschritte ausbleiben, kann das später zu Herausforderungen führen, weil die Entwicklung des Nervensystems eng mit Bewegung verbunden ist.

Reflux, Bauchschmerzen, neurologische Themen, Muskeltonus und motorische Auffälligkeiten
Wenn Sie zwischen dem 2. und 6. Monat neben dem Überstrecken weitere Anzeichen sehen, zum Beispiel geballte Fäuste, starkes Weinen, angezogene Beine, ein gerötetes Gesicht oder einen schmerzgeplagten Gesichtsausdruck, und Ihr Baby lässt sich lange nicht beruhigen, kann dahinter auch Bauchweh oder Krämpfe stecken.
Auch jede deutlich ungewöhnliche Haltung, Bewegungsauffälligkeit oder ein Stillstand in der motorischen Entwicklung sollte ärztlich abgeklärt werden. Ein Beispiel ist, wenn Ihr Baby beim Herausheben aus dem Bettchen den Kopf stark nach hinten überstreckt.
Moro-Reflex
Wenn das Sicherheitsgefühl Ihres Babys plötzlich sinkt und es etwas Unerwartetes erlebt, zum Beispiel ein lautes Geräusch oder das Gefühl zu fallen, streckt es die Arme nach außen und macht eine Art Klammerbewegung, als wolle es sich festhalten. Gleichzeitig hält es kurz die Luft an, was Eltern oft erschreckt. Das passiert sehr schnell, und manchmal weint das Baby danach. In der Regel müssen Sie sich keine Sorgen machen: Dieser angeborene Reflex ist ein Zeichen gesunder neurologischer Entwicklung und klingt bis etwa zum 6. Monat allmählich ab.
Wann sollten Sie eine Fachperson hinzuziehen?

Wenn Sie nicht sicher einordnen können, warum Ihr Baby sich anspannt, zeigen Sie es am besten einer Fachperson. Oft ist es gar nicht so leicht, das Gesehene genau zu beschreiben. Daher kann es sehr hilfreich sein, das Verhalten per Video festzuhalten, denn meist zeigt Ihr Baby die Auffälligkeit nicht genau während der Untersuchung.
Wenn Ihnen etwas ungewöhnlich vorkommt, können Sie sich an Ihre Hebamme oder Ihre Kinderarztpraxis wenden, die Sie bei Bedarf an passende Stellen weiterleiten. Wenn das Überstrecken über längere Zeit nicht nachlässt oder Sie seltsame Bewegungen beobachten, ist es sinnvoll, zusätzlich den Rat einer Kinderneurologin oder eines Kinderneurologen einzuholen. Auch wenn die motorische Entwicklung sichtbar stockt, ist das ein wichtiges Signal.
Es gibt sehr gute spezielle Förder- und Physiotherapieangebote. Eine frühzeitige Therapie ist besonders wertvoll, weil die motorische Entwicklung Ihres Babys in einem schnellen und geordneten Tempo abläuft und mögliche Hindernisse möglichst früh gelöst werden sollten.
Wenn das Überstrecken fast dauerhaft auftritt und stärkere Symptome dazukommen, zum Beispiel Fieber, deutliches Unwohlsein, sehr intensives Weinen oder andere auffällige Zeichen, sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen.
Was können Sie unterstützend tun?

Bei harmlosen Anspannungsbewegungen können Sie Ihr Baby oft gut unterstützen.
Beruhigen Sie Ihr Baby. Wenn Sie herausfinden konnten, was den Komfort gestört hat, versuchen Sie, die unangenehme Situation zu beenden. Wenn zum Beispiel ein unbekannter Besucher Ihr Baby plötzlich hochgenommen hat und es darauf mit Erschrecken, Anspannung und Weinen reagiert, hilft es häufig, wenn die Mutter das Baby auf den Arm nimmt, sanft wiegt, ruhig spricht und ihm zulächelt.
Da der Landau-Reflex in einer Haltung entsteht, die für die Entwicklung wichtig ist, lohnt es sich, Bauchlage tagsüber regelmäßig anzubieten. So kann Ihr Baby schauen, sich auf weiter entfernte Dinge konzentrieren, Interesse entwickeln, nach Gegenständen greifen, sich mit einer Hand abstützen und sich drehen.
Der Moro-Reflex kann etwas belastender sein, wenn er sehr häufig ausgelöst wird. Dann kann es helfen, Ihr Baby weniger in Rückenlage und öfter in Seitenlage zu lagern. Mit einer sicheren, passenden Unterstützung fühlt es sich oft stabiler, und die unangenehmen Momente werden deutlich weniger. Achten Sie außerdem darauf, Ihr Baby aus dem Bettchen langsam und vorsichtig hochzuheben. Zu schnelle Bewegungen, die leider im Alltag schnell passieren, können Angst auslösen. Sprechen Sie auch mit Ihren Helferinnen und Helfern in der Familie darüber.
Bei Reflux und Bauchschmerzen gibt es Tipps und natürliche Präparate, die sich bewährt haben und die Sie ausprobieren können.
Alle weiteren Anzeichen, die auf motorische Auffälligkeiten hindeuten, sollten Sie ernst nehmen und fachlichen Rat einholen. Heute gibt es dafür sehr gute Unterstützung, wichtig ist vor allem, wegen des schnellen Entwicklungstempos Ihres Babys frühzeitig zu handeln, damit Förderung und Therapie rechtzeitig starten können.
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
Apotheken Umschau – Diese erstaunlichen Reflexe haben Babys
MSD Manuals (DE, Profi) – Gastroösophagealer Reflux bei Säuglingen