Wann und wie beginnen wir mit dem Töpfchentraining?
Freundet sich Ihr Kind bereits mit dem Töpfchen an? Setzt es sich darauf, trägt es durch die Wohnung oder stellt neugierige Fragen? Das kann ein erstes Zeichen sein. Wirklich erfolgreich wird die Sauberkeit jedoch erst dann, wenn Ihr Kind selbst bereit dafür ist und das wird es Ihnen deutlich zeigen. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Geduld ist in diesem Prozess besonders wichtig, kleine Missgeschicke gehören ganz selbstverständlich dazu. Gemeinsam kann das Töpfchentraining zu einer liebevollen, spielerischen Erfahrung mit vielen schönen Momenten werden.
Ist Ihr Kind noch nicht reif für die Sauberkeit und wir beginnen zu früh mit dem Töpfchen, setzt es sich vielleicht darauf oder schafft es sogar einmal hinein zu pinkeln. Das bedeutet jedoch noch nicht, dass die Sauberkeit begonnen hat. Oft ist das Töpfchen zunächst nur ein interessantes Spielobjekt. Nach einigen Versuchen verliert es schnell wieder an Bedeutung. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, zeigt sich das durch ein bewusstes, konsequentes Verhalten Ihres Kindes und das werden Sie klar erkennen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Achten Sie auf die Körpersprache Ihres Kindes und auf kleine Hinweise. Bleibt die Windel länger trocken? Zieht es sich zum Stuhlgang in einen anderen Raum zurück? Interessiert es sich für das Ritual rund um das Töpfchen?
Der geeignete Zeitraum liegt meist zwischen dem zweiten und zweieinhalbten Lebensjahr. Die vollständige Tagessauberkeit entwickelt sich in der Regel im dritten Lebensjahr.
Manchmal hört man von Kindern, die bereits mit 12 bis 18 Monaten ihre Blasen und Darmentleerung kontrollieren können. In diesem Alter handelt es sich jedoch noch nicht um echte Sauberkeit. Häufig entscheiden hier die Eltern über feste Zeiten und setzen ihr Kind regelmäßig auf das Töpfchen, teils auch nachts. Mit Geduld ist das nicht schädlich, aber meist unnötig. Problematisch wird es nur dann, wenn Missgeschicke mit Beschämung verbunden sind. Ein Kind für etwas zu tadeln, das es entwicklungsbedingt noch nicht leisten kann, ist niemals hilfreich.
Sauberkeit darf nicht erzwungen werden
Sauberwerden ist ein komplexer Reifungsprozess. Ihr Kind muss körperlich so weit sein, dass es den Harndrang spürt und ihn mithilfe der Schließmuskulatur bewusst kontrollieren kann.
Es muss außerdem verstehen, dass es nun – wie die Größeren – ohne Windel sein möchte. Dazu beobachtet es die Eltern beim Toilettengang und möchte sie nachahmen.
Ebenso wichtig ist, dass Ihr Kind rechtzeitig Bescheid geben kann. Selbst im Kindergartenalter kommt es vor, dass Kinder so vertieft ins Spiel sind, dass sie den Toilettengang hinauszögern und es zu einem kleinen Unfall kommt.
Das Wahrnehmen von Blasen- und Stuhldrang entwickelt sich im Rahmen der neurologischen Reifung und lässt sich nicht beschleunigen. Warten Sie geduldig auf den passenden Moment. So ermöglichen Sie Ihrem Kind, diesen Entwicklungsschritt in seinem eigenen Tempo und mit Erfolgserlebnissen zu meistern. Wird hingegen zu früh Druck aufgebaut, kann sich der Prozess verlängern und mit Rückschritten verbunden sein.
Bleiben Sie respektvoll gegenüber dem Tempo und der Reife Ihres Kindes. Erwarten Sie nur das, wozu es bereits fähig ist. Ungeduld entsteht häufig durch äußeren Druck, etwa wenn im Herbst der Kindergartenstart bevorsteht und Sauberkeit vorausgesetzt wird.
Tun oder lieber lassen?
Alles ist richtig, was die natürliche Entwicklung respektiert und keine Angst, kein Schuldgefühl und keine Scham auslöst. Zeigt Ihr Kind Interesse an der Toilette, lassen Sie es zuschauen, erklären Sie ruhig, wie alles funktioniert, und beantworten Sie seine Fragen offen.
Ist Ihr Kind im Sommer bereit, kann es hilfreich sein, es zeitweise ohne Windel im Garten laufen zu lassen. So kann es seinen Körper besser wahrnehmen und sich freier fühlen. Stoffwindeln werden manchmal als unterstützend beschrieben, da Feuchtigkeit stärker gespürt wird. Die Erfahrungen dazu sind jedoch unterschiedlich.

Wenn Sie bereits üben, führen Sie kleine Gewohnheiten ein. Vor dem Verlassen des Hauses, vor dem Mittagsschlaf oder vor dem Zubettgehen kann Ihr Kind die Toilette aufsuchen. Solche Routinen geben Sicherheit und begegnen Ihrem Kind später auch im Kindergarten.
Einige wichtige Grundregeln:
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Schimpfen Sie niemals bei einem Unfall.
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Beschämen Sie Ihr Kind nicht.
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Zwingen Sie es nicht, Ihnen zuliebe auf dem Töpfchen zu sitzen.
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Vermeiden Sie vorwurfsvolle Bemerkungen über Windeln oder fehlende Sauberkeit.
Druck und negative Erfahrungen können langfristig zu Ängsten oder innerer Anspannung führen.
Spielerisch geht vieles leichter
Spiel ist für Kinder ein wichtiges Ausdrucksmittel. Neues lässt sich leichter annehmen, wenn es Freude bereitet. Ein Lieblingskuscheltier kann „mit aufs Töpfchen“, kleine Geschichten oder humorvolle Momente lockern mögliche Unsicherheiten. Wichtig ist, dass Ihr Kind sich sicher und angenommen fühlt.
Töpfchen, Toilette oder Hilfsmittel?

Das klassische Töpfchen ist meist der erste Schritt. Es gibt unterschiedliche Größen und Modelle, auch Varianten im Stil einer kleinen Toilette mit Deckel. Viele Kinder mögen sie, da sie leicht zu benutzen und transportierbar sind, beispielsweise auf Reisen.
Manche Kinder möchten lieber direkt die große Toilette benutzen, weil sie ihre Eltern nachahmen möchten. Hier können Toilettensitzverkleinerer, gepolsterte Varianten oder Modelle mit integrierter Treppe und Haltegriffen Sicherheit geben. Für unterwegs sind klappbare oder erhöhte Lösungen erhältlich.
Verfasst von Mónika Veres
Quellen:
kindergesundheit-info.de (BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
Trocken- und Sauberwerden
AOK – Gesundheitsmagazin - Wann werden Kinder trocken?